Höchste Zeit für Wochenarbeitszeit

Unter Hoteliers und Gastronomen mehren sich die Stimmen nach flexiblen Arbeitszeiten, die der Realität angepasst sind.

Eine Hochzeitsfeier, die länger dauert als geplant, eine Kegelbahngruppe, die Ihr Spiel zu Ende kegeln möchte und ein Frühlingsabend im Biergarten bei besonders milden Temperaturen – es sind Beispiele wie diese, um das Bedürfnis nach mehr Flexibilität zu illustrieren. Mit der Kampagne „Höchste Zeit für Wochenarbeitszeit“ richtet sich die DEHOGA derzeit gegen die Regelungen im Arbeitszeitgesetz. „Sie gehen an der Lebenswirklichkeit vorbei“, argumentiert Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Verbands.

Laut Arbeitsgesetz darf die tägliche Arbeitszeit acht, maximal zehn Stunden grundsätzlich nicht überschreiten. Es ist seit 1994 in Kraft. Seit Einführung des Mindestlohns vor mehr als zwei Jahren müssen Arbeitgeber im Gaststätten- und Hotelgewerbe zudem Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit ihrer Angestellten dokumentieren.

Eine Umfrage unter Gastronomen ergab, dass bereits 54 Prozent ihre Öffnungszeiten reduziert haben. Gut die Hälfte der Betriebe haben zudem Ihr Leistungsangebot, z. B. Speiseauswahl oder Küchenzeiten, eingeschränkt. Die Umfrage hat bestätigt, dass das starre Arbeitszeitkorsett dem Gastronom dramatisch schadet.

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten lehnt die Forderung nach mehr Flexibilität ab. Die gesetzlichen Regelungen könnten nicht für strukturelle Probleme der Branche verantwortlich gemacht werden – etwa den Umgang mit umsatzschwachen Zeiten. In der Vergangenheit hätten die Beschäftigten die umsatzschwachen Zeiten oft durch unbezahlte Mehrarbeit subventioniert. Seit Einführung der Dokumentationspflichten habe sich diese Situation verbessert, heißt es bei der NGG. Flexible Arbeitszeiten lasse das Arbeitszeitgesetz außerdem zu. Die Voraussetzungen sind jedoch streng.

Der DEHOGA gehe es nicht um mehr Arbeit, sondern um eine bessere Verteilung derselben. Wie kaum ein anderer Dienstleistungssektor sei die Branche geprägt von saisonalen Nachfrageschwankungen. Dauere eine Feier länger als zehn Stunden, könne die Schicht nicht einfach ausgetauscht werden. Auch Arbeitnehmer haben daran kein Interesse. Viele arbeiten länger und dafür an weniger Tagen.

Die Einführung einer Wochenarbeitszeit in einzelnen Bereichen halten viele Fachleute für sinnvoll. In Bars, Gaststätten mit saisonalen Festivitäten oder bei Veranstaltungen könne sie für die Mitarbeiter und den Geschäftserfolg von Vorteil sein. Natürlich muss aber eine Verpflichtung der Gastronomen einhergehen, freie Tage umgehend nach den intensiven Arbeitstagen zu gewähren.

Deshalb appelliert die DEHOGA an die deutschen Politiker: Verschließen Sie nicht länger die Augen vor der Lebenswirklichkeit! Schaffen Sie Lösungen für die Branche der Gastfreundschaft!

Diesen Appell unterstützen wir gerne. Hier den Link auf die Aktion.

"Höchste Zeit für Wochenarbeitszeit“

Zurück